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Hadamar1

Klassen 10 besuchen Gedenkstätte Hadamar

Anfang November besuchten die 10. Klassen die Gedenkstätte Hadamar, die an die Verfolgten des nationalsozialistischen „Euthanasie Programms“ erinnert.

Die Jugendlichen setzten sich vor und nach dem Besuch, insbesondere jedoch während des Aufenthalts, mit diesem dunklen Kapitel unserer Geschichte auseinander; auch zogen sie Lehren für ihre eigene Gegenwart und Zukunft.

Exemplarisch für die vielen Eindrücke folgt der Erfahrungsbericht von Merle, Schülerin der Klasse 10a:

Besuch der Gedenkstätte Hadamar am 4.11.2025

Als unsere Klasse von dem geplanten Ausflug zur Gedenkstätte Hadamar erfahren hat, wusste ich zuerst nicht so richtig, was mich dort erwartet. Ich hatte schon im Geschichtsunterricht von der NS-Zeit und den Euthanasie-Morden gehört, aber das ist etwas ganz anderes, als wirklich an den Ort zu fahren, an dem das passiert ist. Schon auf der Busfahrt war die Stimmung irgendwie stiller als sonst. Niemand hatte Lust, laut Musik zu hören oder zu reden. Man merkte, dass alle ein bisschen angespannt waren.

Als wir ankamen, sah das Gebäude auf den ersten Blick gar nicht so unheimlich aus. Es war ein helles Haus, fast wie ein Krankenhaus. Genau das war vielleicht das Erschreckende: Dass an einem so normalen Ort so viele schreckliche Dinge passiert sind. Unser Guide hat uns zuerst im Ausstellungsraum begrüßt und erklärt, dass hier in Hadamar während des Nationalsozialismus über 14.000 psychisch kranke und behinderte Menschen ermordet wurden, weil sie als „lebensunwert“ galten. Als sie das sagte, bekam ich richtig Gänsehaut.

In der Ausstellung hingen viele Fotos von den Opfern, manche waren Kinder in meinem Alter oder jünger. Neben den Bildern standen kurze Lebensgeschichten. Eine blieb mir besonders im Gedächtnis: ein Mädchen, die gerne Klavier gespielt hat, aber wegen einer geistigen Behinderung in eine Anstalt kam. Dort wurde sie dann nach Hadamar verlegt – und ermordet. Ich musste an meine kleine Schwester denken. Mir wurde plötzlich bewusst, dass das keine Geschichten aus einem fernen Land sind, sondern Menschen aus Städten wie Koblenz, Limburg oder Wiesbaden. Ganz normale Familien.

Später gingen wir in den Keller, wo früher die Gaskammer war. Es war kühl und still, und man hörte nur unsere Schritte. Die Führerin erzählte, dass die Opfer dachten, sie kämen zum Duschen. Ich konnte mir kaum vorstellen, wie groß die Angst gewesen sein muss. Es war beklemmend, in diesem Raum zu stehen. Als wir später die Treppe wieder hinaufgegangen sind, sage eine Mitschülerin zu mir: “Überleg mal, hier diese Treppe sind all die Opfer runter gegangen so wie wir, nur sie sind nie wieder hochgekommen.“, ich selbst hatte direkt einen dicken Kloß im Hals.

Zum Schluss gingen wir noch auf den Friedhof, wo viele der Opfer anonym begraben wurden. Manche Gräber hatten Namen, andere nur Nummern. Ich legte eine Blume auf einen Stein, einfach, um irgendwie zu zeigen, dass diese Menschen nicht vergessen sind.

Auf der Rückfahrt war es wieder ganz still im Bus. Ich dachte die ganze Zeit an das, was ich gesehen hatte. Es ist unglaublich, zu wissen, dass Ärzte, Krankenschwestern und Beamte das alles organisiert und ausgeführt haben. Menschen, die eigentlich helfen sollten.

Der Besuch in Hadamar war für mich einer der eindrücklichsten Momente meiner Schulzeit. Man hört und liest so oft über den Nationalsozialismus, aber erst wenn man an einem echten Tatort steht, versteht man, was das wirklich bedeutet. Ich finde, jeder Schüler sollte einmal dorthin fahren – damit man nicht vergisst, dass so etwas nie wieder passieren darf.