Vier Schüler der Klasse 10c (Foto v.l.n.r.: Lisa Schmücker, Chiara Moos, Femke Karsjens, und Anton Stömmer) haben eine zusätzliche Projektarbeit im Fach Geschichte durchgeführt, indem sie einen Podcast zu dem Schicksal der jüdischen Germanisten Dr. Hanna Hellmann aus Frankfurt/Main verfasst haben; diese wurde am 14. Juni 1942 von der israelitischen Jocoby`schen Heil- und Pflegeanstalt in Bendorf-Sayn ins Vernichtungslager Sobibor deportiert und dort ermordet.
Die Schüler befragten für ihre Arbeit die Germanistin Frau Dr. Gudrun Jäger aus Frankfurt, die zu Hanna Hellmann geforscht hat und Herrn Dieter Schabow aus Bendorf-Sayn, der seit Jahrzehnten die Geschichte der Juden in Bendorf aufarbeitet.
Geboren am 31. Oktober 1879 in Frankfurt am Main zeigte Hanna Hellmann als Schülerin eine Hochbegabung und einen großen Lerneifer. Entgegen vieler Widerstände nahm sie 1903 ein geisteswissenschaftliches Studium auf und musste in die Schweiz gehen, um zu promovieren. Ihre Arbeit zu Heinrich von Kleist fand in den Fachkreisen großen Anklang und sie pflegte Kontakte zu den führenden Intellektuellen ihrer Zeit wie Else Lasker-Schüler, Albert Schweitzer oder Martin Buber. Sie strebte nach der Promotion keine universitäre Laufbahn an, sondern war als Publizistin tätig und arbeitete als Dozentin am 1914 gegründeten Frauenseminar für soziale Arbeit in Frankfurt. Nach mehreren Schicksalsschlägen stellten sich bei ihr in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre Persönlichkeitsveränderungen ein. Sie wurde 1938 aufgrund einer antisemitisch motivierten Denunziation durch einen Nachbarn verhaftet und zwangsweise in die Nervenklinik der Stadt und Universität Frankfurt eingewiesen. Zu Beginn des Krieges wurden jüdische Patienten aus ganz Deutschland in die israelitischen Jocoby`schen Heil- und Pflegeanstalt nach Bendorf-Sayn gebracht. Von dort wurden sie in mehrern Transporten in Konzentrationslager gebracht.
Von Dr. Hellmann existieren aus ihrer Zeit in Sayn noch 1.800 Blätter mit Blumenzeichnungen, die sie mit Pastellkreide auf Butterbrotpapier malte. Sie befinden sich seit 2016 in der Sammlung Prinzhorn am Universitätsklinikum Heidelberg.
(Text & Bild: Fr. Kirst)