SCHULSANITÄTSDIENST (SSD)

Einsatz für den 1/87/1 in der BRS

„Was machen wir heute? Sie haben doch von einer Überraschung gesprochen.“ Die jüngsten angehenden Schulsanitäter der Bischöflichen Realschule Koblenz warten gespannt, was sie heute erwartet. Erste Einblicke in die Aufgabenbereiche des Deutschen Roten Kreuzes haben die 15 Schüler der Klasse 5 bereits erhalten und mancher von ihnen hatte schon in der Grundschule Kontakt zum Jugendrotkreuz. Die Freude, anderen Menschen in Notsituationen zu helfen, hat die Schüler des Schulsanitätsdienstes „Pflasterstreifen“ dazu motiviert, sich eingehender mit den Maßnahmen der Ersten Hilfe zu befassen.

„Ist das unsere Überraschung? Hey, kommt mal alle schnell raus!“ Gegen 14:30 Uhr am Mittwoch-nachmittag ist es dann soweit. Ein KTW (Krankentransportwagen) des DRK Koblenz fährt auf den Schulhof. Am Steuer sitzt Heike Nick, Leiterin des Jugendrotkreuzes in Koblenz. Schnell ist das Fahrzeug mit der Kennzeichnung 1/87/1 von den Schülern umkreist und Frau Nick hat kaum die Möglichkeit, die Vielzahl an Fragen seitens der jungen Schulsanitäter alle zu beantworten. „Was ist das für ein Auto?“ „Können wir mal die Trage rausnehmen?“ „Wofür ist der Koffer da?“ „Machen sie mal das Blaulicht und die Sirene an?“ Fragen über Fragen, die alle beantwortet werden wollen.

Der Schulsanitätsdienst „Pflasterstreifen“ ist im Schuljahr 2008/2009 allmählich herangewachsen. Anfangs befanden sich rund 15 Schüler in der Arbeitsgemeinschaft, die zuvor bei Frau Nick einen Lehrgang zu Erstversorgung und Selbstschutz absolvierten und weiterhin Interesse an den Maßnahmen der Ersten Hilfe hatten. Da die Arbeitsgemeinschaft alle Klassenstufen anspricht, dauerte es nicht lange, bis neben dieser ersten Gruppe eine zweite Gruppe hinzukam. Seit dem zweiten Schulhalbjahr 2009/2010 wurde auf die Anfrage begeisterter Schüler der Klasse 5 eine dritte Gruppe eröffnet, die sich nun jeden Mittwoch trifft, um die Inhalte der Erstversorgung in Theorie und Praxis zu erlernen.

Es dauert nicht lange, bis die ersten Schüler im Fahrzeug sitzen und die Ausstattung des KTWs genauer unter die Lupe nehmen. Um die Fragen der Schüler beantworten zu können, wird die Gruppe aufgeteilt: Während Frau Nick das Fahrzeuginnere erläutert und die Kinder nun auch die Gelegenheit erhalten, die Trage zu testen, erklärt Herr Thelen den Inhalt des Notfallkoffers, bevor die Gruppen schließlich gewechselt werden. Doch trotz ausführlicher Erklärungen reißt die Fragekette nicht ab. Es scheint, als könne der Wissensdurst der Schüler in dieser Hinsicht nicht gestillt werden. Kleine Instrumente aus dem Notfallkoffer zeigen große Wirkung bei den Schulsanitätern. „Wofür ist dieses Laringusdingsbums?“ „Das Laryngoskop braucht man, um einen Menschen, der nicht mehr normal atmet, zu intubieren. Das heißt, dass dem Patienten ein Tubus, also eine Art Schlauch, in die Luftröhre geführt wird, damit er beatmet werden kann und wieder Luft bekommt“, erklärt Herr Thelen.

Wie groß die Bereitschaft seitens der Kinder und Jugendlichen ist, sich mit den Inhalten der Ersten Hilfe zu befassen, zeigt das jüngste Projekt des Schulsanitätsdienstes: Der Erste Hilfe Informationsfilm. Insgesamt 25 Schüler von nun rund 45 Schulsanitätern erstellten während eines Schulhalbjahres einen Kurzfilm zu den Themen „Reanimation, Stabile Seitenlage, Rettung aus dem Fahrzeug, Verhalten am Unfallort und Absetzen eines Notrufes“. Die Verzahnung von inhaltlichem Fachwissen und dem Umgang mit modernen Medien in Form von Filmarbeit und Filmschnitt trugen dazu bei, dass die Jugendlichen ein hohes Maß an Engagement zeigten und bereits Ideen für die Fortführung dieses Projektes haben.

„Frau Nick, darf ich mich mal vorne ins Auto setzen und die Sirene anmachen?“ Natürlich dürfen zum Abschluss der Fahrzeugerkundung die Sonderrechte (Signalhorn und Blaulicht) nicht fehlen. Obwohl   Frau Nick fast 1 ½ Stunden zu Besuch ist, können nicht alle Fragen ausreichend beantwortet werden.„Kommen Sie noch einmal zu uns und bringen Sie dann wieder ein Auto mit?“, lautet die Frage vieler Schüler zum Ende. Frau Nick willigt hierzu gerne ein und die Kinder freuen sich bereits auf den nächsten Besuch mit einem neuen Erkundungsobjekt.

 

Realistische Unfalldarstellung (RUD) im SSD

Wunden, die Freude bereiten

Seit dem zweiten Schulhalbjahr 2009/2010 besteht im Schulsanitätsdienst „Pflasterstreifen“ die Möglichkeit, verschiedenste Verletzungen möglichst realistisch darzustellen. Durch die Realistische Unfalldarstellung (RUD) können unterschiedliche Schnittwunden, Platzwunden, Schürfwunden, Risswunden, Verbrennungen,…  durch Theaterschminke simuliert werden.

Im Vordergrund steht dabei natürlich die Auseinandersetzung mit den Behandlungsmöglichkeiten einer solchen Verletzung. Schauspielerisch können die Schüler vielfältige Situationen des alltäglichen Lebens darstellen – z.B. die Behandlung einer Schürfwunde nach einem Fahrradsturz –  und somit sehr realitätsnah den Ernstfall trainieren. Dabei müssen alle Beteiligten ausreichend Kenntnisse über die Maßnahmen der Ersten Hilfe besitzen, denn einerseits muss der Betroffene (Darsteller der Verletzung) die Situation gut inszenieren und andererseits ist der Helfer gefordert, sowohl die Wunde zu versorgen als auch den Patienten zu betreuen. Das schauspielerische Können darf hier nicht unterschätzt werden, denn eine gut geschminkte Verletzung kann nicht überzeugen, wenn der Darsteller sie nicht entsprechend „präsentiert“.

Ganz besonders möchte ich den Schülerinnen und Schülern der Kiosk-AG der Bischöflichen Realschule Koblenz sowie Herrn Stahl danken, denn ohne sie wäre es nicht möglich gewesen, die benötigten Materialien für die Realistische Unfalldarstellung anzuschaffen. Das Team des Schülerkiosks hat von ihrem erwirtschafteten Geld Mittel zur Verfügung gestellt und die Gesamtkosten der Schminksets und der Arbeitsmaterialien übernommen. Schüler engagieren sich für Schüler.